Hazelburn / 11 Jahre / 54.2% Vol.

Für mich gilt Hazelburn, mit seiner dreifach Destillation, als Sonderling im Hause Springbank. Umso mehr habe ich mit mir gehadert, ob ich die neue Springbank Society Abfüllung überhaupt Ordern soll. Da ich ja jetzt hier über die Vergangenheit sinniere, habe ich mir die Abfüllung geholt und diese geteilt.

Seit gestern bin ich auch Besitzer eines Eisch Unity Sensisplus Glases, welches ich von meiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Somit habe ich nun die Gelegenheit, einen Malt von Hazelburn aus einem für sehr gute Sensorik bekannten Glas zu probieren.

Die Rahmendaten der Abfüllung liegen genau in meinem Beuteschema:

  • 11 Jahre
  • Re-Charred Bourbon Hogsheads
  • 54,2% Vol.

Dann wollen wir mal sehen was der Dram so kann. 🙂

Das Sensisplus bietet den dicken, öligen Schlieren eine tolle Plattform. Es dauert lange bis die ersten den Rest des flüssigen Goldes erreichen. Aus dem Glas wabern erste süße Noten. Ich werde auf einen Jahrmarkt im Sommer versetzt und stehe vor einem der Süßigkeitenstände in denen kandierte Äpfel und allerhand Zuckerwatte feilgeboten werden. Der Waffelbäcker daneben legt sich ebenfalls mächtig ins Zeug, und konkurriert mit den kandierten Äpfel um die Wette. Woge um Woge von süßer Vanille kommt an die Nase. Ich tauche immer tiefer in diese hell süße Atmosphäre hinein. Und habe nun florale und leicht grasige Noten. Gerade werden irgendwo noch warme Rohrnudeln aufgetischt. Ganz hinten, ganz versteckt bekomme ich noch etwas Salz mit.

Im Geschmack gibt sich der Hazelburn weich und cremig. Die 54,2% Vol. sind überhaupt nicht zu spüren und bereiten der hellen süße eine gute Grundlage. Vanillekipferl getunkt in Vanillesoße. Das ist mein erster Eindruck. Nun schiebt sich das florale grasige ein wenig mehr in den Vordergrund um direkt wieder Platz für die hellen Früchte zu machen. Mir fehlt hier der Charakter des Re-charring. Ich habe hier keinerlei Röstaromen oder ähnliches. Schade eigentlich, wäre das doch ein toller Kontrapunkt für die allmählich überbordende süße.

Der Abgang gestaltet sich sehr ölig und ich empfinde diesen als mittellang.

Kurzes Fazit zum Glas: Die Sensorik ist Top. Das Glas ist sehr dünnwandig, so kann ich die Handwärme fast 1 zu 1 auf den Malt übertragen. Das Trinkgefühl ist hier außerordentlich gut. Das Blenders hat ausgedient.

Meine Skepsis zum Hazelburn hat sich leider bestätigt. Obwohl ein mein Beuteschema ist, ist mir dieser Malt einfach zu süß. Ich glaube das Hazelburn und ich keine Freunde mehr werden.

Slainté

euer André

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