Mannochmore 25/Diageo Special Release 2016 / 53,4% Vol.

Gastbeitrag von: Ingo

Es gibt selten Malts, die mich einen nach einem langen Abend mit mehreren hochklassigen Whiskys noch immer begeistern können.In diesem Fall war es bei mir der Mannochmore 25 aus den Diageo Special Releases von 2016.

Diesen Malt habe ich letztens nach der Verkostung von ein paar recht “alten” Bottlings geöffnet. Er durfte sich u.a. geschmacklich gegen einen Linkwood und einen Dailuaine der Rare Malt Serie aus den 70ern durchsetzen. Jetzt kann man natürlich darüber streiten, ob Bourbonfass gereifte Malts in diesem Fall einen sinnvollen Vergleich darstellen. Keine Frage. Wenn dieser Malt hier allerdings bei allen Anwesenden am Tisch schon beim Nosing ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern vermag, dann lautet die Antwort für mich:”Ja!”.

Insgesamt 3954 Flaschen hat Diageo abgefüllt. Hierfür wurden 1st Fill Ex-Bourbon, frische American Oak und Ex-Bodega Fässer verwendet. In Fassstärke mit 53,4% vol.. Bei dieser Alkoholstärke wahrscheinlich auch nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert. Die sehr hübsch gestaltete Umverpackung und die Flasche geben hierzu nicht weiter Aufschluss. Lediglich der Zusatz “Natural Cask Strength” ist vermerkt. Leider geht aus der Beschreibung auch nicht weiter hervor, was mit “Ex-Bodega”-Fässern gemeint ist / um welche Sherry-Art es sich handelt. Wahrscheinlich wollte man hier auf die besondere Qualität der verwendeten Fässer aufmerksam machen. Schließlich deutet “Bodega” an, dass es sich bei den Fässern nicht um “sherry-seasoned casks” handelt. 

Nosing:

In der Nase macht sich der Alkoholgehalt allenfalls durch eine leicht kühlende Note bemerkbar. Es zeigt sich ein wahres Potpourri an unterschiedlichen Geruchseindrücken: Zuckerwatte, Apfelschalen, Stachelbeeren, dann Saftorangen, Datteln, Limetten, Rhabarber. Wie ein saurer Früchtekompott. Garniert und verziert wird dieser mit Mandeln, Marzipan, Dörrobst und etwas Eukalyptus, unterlegt von angenehmen Holztönen, Tabak, Espresso und dunklem Blockmalz, die einen passenden Kontrapunkt zur insgesamt wundervoll stimmigen Gesamtkomposition setzen. Das ist großes Kino. 

Mund: 

Kraftvoll im Antritt, prickelt der erste Schluck auf der Zunge und präsentiert sich recht komplex. Schokolade und Dörrobst bilden den ersten Eindruck. Es folgen geriebene Äpfel, frische rote Weintrauben, Kumquats und Bitterorangen gesellen sich an Glühweinbonbons und ein paar Brombeeren. Abgerundet wird das Ganze durch einen Hauch Walnüsse… Oder sind es die Kerne der Weintrauben? Ich fühle mich an rote Grütze mit Vanillesauce erinnert. Allerdings fehlt die “saure” Spritzigkeit. Eher schwer, dickflüssig und eingekocht, aber – wie bereits geschrieben- kraftvoll kommt der Geschmack daher. Die Vanille setzt sich am Ende immer stärker durch. Die Tannine vom Fass auch. Die Komposition droht allerdings nie ins Bittere zu kippen. Hier kommen schön die Sherryfässer zum Tragen.

Abgang: 

Lang. Wärmend, Bitterschokolade, Kaffee und Brombeeren mit einem wahrlich fast schon unglaublich langem Nachklang von Vanille. Fast schon, wie als wenn man gerade einen schweren spanischen Rotwein im Mund hatte. 

Mit etwas Wasser wird die Nase nochmals frischer und “spritziger”. Der Malt verliert etwas an Komplexität. Zudem erhält er eine Note, die mich etwas an nasse Pappe erinnert. Vielleicht habe ich auch nicht das ideale Verhältnis von Wasser zu Malt getroffen. Allerdings ist das bereits meine zweite Verkostung des Whiskys, an einem weiteren Tag. Er trübt in der Optik etwas ein, was gegen eine Kältefiltration des Malts spricht. 

Im Mund ist er weniger harsch, zeigt sich von seiner weicheren Seite. Fast schon geschmeidig. Die Schokoladennote kommt etwas besser durch, begleitet von den Stachelbeeren und etwas Zimt. Hellere Früchte scheinen nun zu dominieren. Der Whisky schmeckt süßer. Allerdings verliert der Abgang etwas. Dieser bekommt einen leicht metallisch, malzigen Unterton. Die Vanille ist nicht mehr so schön in Szene gesetzt wie vorher und klingt nicht so lange nach. 

Randnotiz:

Das Aroma des Whiskys entfaltet sich für das Nosing m. E. am besten über einen Spiegelau Premium Snifter. Im direkten Vergleich zum Glencairn Glas wirkt der Malt deutlich lebendiger und offener. 

Fazit: 

Dieser Whisky wurde im Vorfeld schon von vielen Bloggern verkostet und sehr gut bewertet. Für 300+ Euro bekommt man meines Erachtens einen hervorragenden Malt. Keine Fehlnoten, kein Schwefel. Das muss in der heutigen Zeit schon erwähnt werden. 

Rund vier Jahre nach seinem Erscheinen, ist dieser immer noch erhältlich. Wahrscheinlich hat potentielle Käufer in 2016 der seinerzeit verhältnismäßig hohe Preis für einen 25y alten Malt abgeschreckt… und dieser ist dann in Vergessenheit geraten. Nachdem mittlerweile andere Distillerien sich preislich nach oben orientiert haben, sind die für den Mannochmore aufgerufenen 300 bis 330 Euro in einem fast schon zeitgemäßen Preisbereich. Ob das jetzt gut ist, sei dahingestellt. Leider kennt die Preisentwicklung beim Whisky noch immer nur die eine Richtung. Und die lautet nach oben. Aber das ist ein anderes Thema. 

1 Kommentar

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Eine wirklich tolle Beschreibung des Mannochmore von dir, Ingo. Ich möchte mich nochmal für die Gelegenheit bedanken, diesen aussergewöhnlichen Whisky probieren zu dürfen. Beim lesen deiner Notes kommen in mir direkt die Erinnerungen wieder hoch. Als hätte man den Whisky gerade selbst im Glas. Ich freue mich auf weitere deiner Eindrücke.
Kurt

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