Longrow / RED / 51,6 Vol.

Wenn Ihr an Campbeltown denkt, was kommt euch da als erstes in den Sinn ? Die meisten werden nun sagen, ich nehme mich da nicht raus : Springbank. Nach meiner letzten Rezension über den Kilkeran 8 Oloroso habe ich nun erneut einen Namen der zumeist unter dem Radar läuft: Longrow

Doch einmal im Jahr ist Longrow in (fast) aller Munde, nämlich wenn der neue RED auf den Markt kommt. So kommt seit 2012* einmal im Jahr ein Longrow mit einem Weinfinish auf den Markt. Dieses Jahr ist es ein 13jähriger mit einem chilenischen Cabernet Sauvignon Finish. Laut meiner Information wurde er zunächst für 10jahre in ex-Bourbon und ex-Sherry Fässern gelagert eher in für drei Jahre in das Cabernet Sauvignon Fass durfte.

Wie immer bei solch begehrten Abfüllungen, geht die Verteilung bzw. der Kauf nicht ohne Nebengeräusche von statten. Diesmal wurde der RED als Bundle mit dem Standard 10er verkauft. Da kann man nun drüber Denken was man möchte, ich habe den RED geteilt und den 10er raus gerechnet, da ich diesen behalte, quasi als „All-Day“ Raucher.

Nun denn, dann widme ich mich mal dem Grund dieser Worte. Als musikalische Begleitung habe ich mir Matthew Caws und seine Nada Surf ausgesucht. Es läuft das neue Album: Never Not Together

Die Farbe des Longrows erinnert sehr an einen Rosé Wein und weniger an einen Whisky. Ist schon schön anzusehen. Aber Farbe ist ja bekanntlich nicht alles ;), von daher mit der Nase ans Glas. Halt! Stopp! Ich habe ganz vergessen die schönen Schlieren am Glasrand zu erwähnen welche ölig ihre Bahnen ziehen.

Jetzt aber, ran an das Glas. Im ersten Moment habe ich einen elegant erdigen Aromen Schwall. Das Ganze lässt mich an einen warmen Samstag Nachmittag in Omas Küche denken. Frisch eingekochte Beeren werden hier zu Marmelade und Grütze verarbeitet. Im Ofen wird es dem Kuchen allmählich zu heiß und es werden aromatische Raucharomen freigesetzt. Herrlich.

Am Gaumen geht es dann ähnlich weiter. Es wird von der frischen und noch warmen Grütze genascht, eher Oma den Kuchen auftischt und Kaffee dazu reicht. Der Rauch ist zu erahnen, aber wirklich nur noch sehr dezent. Wieder aus den Erinnerungen raus gerissen nehme ich noch ein wenig Schuh-Creme wahr. Und dann habe ich noch eine Note die ich nicht wirklich zu Ordnen kann, ich diese jedoch Richtung Leder mit Tabak schiebe. Nicht unangenehm. Aber nicht so angenehm wie die Nase.

Im Abgang habe ich dann ein tolle Trockenheit gepaart mit dem rauen Campbeltown Charakter. Insgesamt gestaltet sich der Abgang warm und lang.

Ich finde diesen Longrow schön, jedoch nur in der Nase. Im Mundraum lässt er dann doch ein wenig nach. Matthew ist auch fertig, das neue Album lässt die alten Stärken von Nada Surf auferstehen und passt gut zum RED.

Slainté

euer André

*Hatte zunächst 2015 auf dem Zettel, aber dank eines Lesers konnte ich nun die korrekte Jahreszahl eintragen.

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